Praxistest: Panasonic Lumix DMC-GH4 + Panasonic LUMIX G Vario 12-35mm F 2.8 ASPH.

Praxistest: Panasonic Lumix DMC-GH4 + Panasonic LUMIX G Vario 12-35mm F 2.8 ASPH.

Mit der GH4 hat Panasonic nun schon die 4. Generation der spiegellosen Oberklassenmodelle vorgestellt. Dabei liegen die Veränderungen gegenüber dem Vorgänger GH3 hauptsächlich in der Ausstattung und nicht im Aussehen, Gewicht und Haptik.

Das Gehäuse lässt sich von einer klassischen D-SLR kaum unterscheiden und liegt hervorragend ist der Hand. Der Gehäusekern besteht aus Aluminiumdruckguss und das Body ist aufwendig gegen Spritzwasser abgedichtet. Überarbeitet ist das Modusrad, welches sich nun gegen unbeabsichtiges Verstellen sperren lässt. Von der GH3 sind 2 Räder für Verschlusszeit und Blende, das Einstellrad für den Bildfolgemodus, 5 Individualtasten und viele Direktwahltasten für Weißabgleich, ISO oder Belichtungskorrektur geblieben. Wer gerne über den Sucher fotografiert und auf Live-View verzichteten kann, kann sich auf dem Display fast alle Einstellparameter anzeigen lassen und hat hier wieder Zugriff auf die unglaubliche Funktionsvielfalt der GH4. An der Unterseite des Gehäuses sind die Anschlüsse für den Hochformatgriff DMW-BGGH3 und das neue Videointerface DMW-YAGH. Des weiteren verfügt das Gehäuse über HDMI-Anschluss, AV-Ausgang, Mikrofonbuchse, Kopfhörerausgang und einen Blitzanschluss für externe Studioblitzanlagen. Mehr Ausstattung geht kaum.

Der GH4 Sucher hat mit 2,36 Millionen Pixel eine höhere Auflösung bekommen. Die Suchervergrösserung ist eindrucksvoll und entspricht dem Sucher einer Vollformat D-SLR. Der Vergleich mit meiner Canon EOS 5D Mark III bestätigt dies. Auch hier ist der Suchereinblick nicht größer. Viele Kamerafunktionen, das Histogramm oder die elektronische Wasserwaage lassen sich über den Sucher zusätzlich anzeigen. Der zusätzliche 3“ Bildschirm ist dreh- und schwenkbar. Dieser eignet sich prima für Aufnahmen in anderen Perspektiven, ob in Bodennähe oder Überkopf. Auch bei stärkerer Neigung lässt sich das Monitorbild noch gut erkennen und schattet nicht zu stark ab.

Die Ausstattung der GH4 lässt keine Wünsche offen. Ich weiß gar nicht, welche Funktionen ich alle erwähnen soll. Neben den üblichen Einstellungen Programm, Zeit/Blendenvorwahl und manueller Belichtung bietet sie 22 Kreativeffekte. Diese habe ich gerne genutzt, da sie mir zum Teil die nachträgliche Bildbearbeitung erspart haben. Für den Bereich Landschafts-, Nacht-, Architekturaufnahmen bietet die GH4 auch eine HDR Automatik. Für manuelle HDR Belichtungsreihen besitzt die GH4 eine sehr gut ausgestattete Bracketingfunktion. Eine intelligente Automatik ist ebenfalls mit an Bord. Zusätzlich noch 3 Customeinstellungen. Mit diesen kann der User bevorzugte Kameraeinstellungen abspeichern.

Der Autofocus ist mit dem neuen DFD-Scharfeinstellsystem (Depth From Defocus) weiter verbessert worden. Für die Scharfeinstellung schießt die Kamera praktisch 2 falsch scharf gestellte Aufnahmen und berechnet aus den Unterschieden der beiden Fotos die richtige Schärfe. Hört sich umständlich an, geht aber rasend schnell, so dass die GH4 praktisch sofort auslösebereit ist. In Verbindung mit den 49 Messfeldern, die sich einzeln, individuell oder in Gruppen schalten lassen, und der extrem hohen Serienbildauflösung mit bis zu 11 Bildern pro Sekunde, ist die GH4 für fast jede Motivsituation geeignet. Für die manuelle Scharfeinstellung verfügt die GH4 über Lupenfunktion und Fokuspeaking, die auch in den Videoeinstellungen verfügbar sind. Nebenher hat Panasonic der neuen Spitzenkamera eine Zeitlupenfunktion, Animationsmenü und Gradiationskurve für Lichter/Schatten spendiert.

Der neue 16 Megapixel Digital Live MOS Sensor verfügt über eine High-Speed Signal Auslesung, Die sehr hohe Auslesegeschwindigkeit ist um 50% zur GH3 gesteigert worden. Zudem ist auch der Signalprozessor eine schnelle Neukonstruktion. Zugute kommt dies der GH4 bei der Serienbildfunktion, HDR-Automatik oder andere aufwendige Rechenprozesse. In der Standardeinstellung arbeitet die GH4 nicht mehr mit einer so hohen Farb- und Kontrasteinstellung wie die GH3. Die Detailzeichnung ist bei allen ISO-Werten etwas höher als beim Vorgänger. Wer hier eingreifen möchte, kann die Bildstile und so die Intensität ändern, um eine neutralere oder kräftigere Farb- und Kontrasteinstellung zu erzeugen. Wie schon die GH3 überzeugt die GH4 bei hohen ISO-Werten bis 1600 ISO. Hier löst Sie feine Details besser auf als bisher möglich. Ab ISO1600 sind Textur- und Schärfenverluste deutlich. Hier bewegt sich die GH4 auf dem ähnlichen Niveau wie eine Canon EOS 70, Nikon D5300 oder Olympus O-MD E-M1.

Mit der DMC-GH4 hat Panasonic die erste Systemkamera mit 4K Videoauflösung im Programm. Dabei wird bei 4K jedes Einzelbild des Video mit 4.096 x 2.160 Pixeln aufgenommen. Dies entspricht einer Fotoauflösung von 8 Megapixeln pro Bild. 4K Videos lassen sich maximal im 25P oder 30P Modus mit einer Bitrate von 100mbit aufnehmen. Das 4K Videobild wird pixelgenau berechnet, was zu einem Brennweitenverlängerungsfaktor von 2.5x führt. Im Vergleich Fotoauflösung oder Full-HD Video verliert man also bei 4K rund 20% an Bildauschnitt. Die GH3 lässt sich in PAL oder auch NTSC-Norm betreiben. Dies ermöglicht Full-HD Videos in 50P oder auch 60P und vielen weiteren Auflösungen für verschiedene Anwendungszwecke. Menüseitig sind sogar variable Frameraten bis 96 Bildern/s möglich. Allerdings maximal bis Full-HD Auflösung. Über das optionale Videointerface DMW-YAGH lässt sich die Videoausgabe in 4:2:2 mit 10 Bit auslesen. Dies ist ebenfalls über den HDMI-Ausgang möglich. Allerdings benötige ich hier einen externen Recorder zur Aufzeichnung. Mit dem Atomos Shogun steht ein solches Gerät zur Verfügung. Der Shogun zeichnet direkt Full HD oder 4K auf und kann auch als externer Monitor verwendet werden. Nimmt man das HDMI-Signal mit einem externen Recorder in 4K auf, kann die GH4 nicht gleichzeitig auf Speicherkarte aufzeichen. Videos, aber auch Fotos lassen sich mit der kostenlosen Panasonic Image App per Wlan steuern. Über den Monitor oder Tablet wird das Videolivebild angezeigt und es lassen sich viele Funktionen fernsteuern. Die vollwertige Videoaustattung wird durch einen Mikrofonanschluss, einen Kopfhöreranschluss und einem HDMI Ausgang vervollständigt.

Das Panasonic Lumix G X Vario 12-35mm F 2.8 Asph. entspricht in seiner Brennweite einem 24-70mm Zoom Objektiv an einer Vollformat DSLR-Spiegelreflex. Es liefert in allen Brennweiten an der DMC-GH4 eine überzeugende Bildqualität ohne Vignettierung, auch bei maximaler Öffnung 2,8. Die Verzeichnung ist sehr gering. Schärfe und Kontrastwerte des High-End Zooms sind überragend. Die Haptik ist sehr gut. Sowohl der Scharfeinstellring, als auch die Zoomfunktion lassen sich seidenweich bedienen. Auch manuelle Scharfeinstellung mit Lupe oder Fokuspeaking gelingen auf Anhieb. Der Mega OIS Bildstabilisator arbeitet sehr effektiv bei Aufnahmen aus freier Hand mit langen Belichtungszeiten. Das Innenfokussiersystem arbeitet sehr schnell und präzise und die Gesamtlänge der Optik ändert sich nicht. Die sehr leise Scharfeinstellung ist im Videobetrieb kaum zu hören und stört nicht die Tonaufzeichnung der GH4. Die kreisrunde Blendenöffnung ergibt ein harmonisches Bokeh mit einem sehr angenehmen Schärfeverlauf, wobei die Blende 2.8 vollwertig zu verwenden ist. Das Weitwinkelzoom eignet sich ideal für Architektur- und Landschaftsaufnahmen bis hin zum Portraittele unter schlechten Lichtverhältnissen.

Kombiniert habe ich das 12-35mm F 2.8 mit dem Dörr 10mm Zwischenring für Nahaufnahmen. Der Zwischenring wird einfach zwischen Gehäuse und Objektiv gesetzt und übermittelt alle Automatikfunktionen wie Power O.I.S. Bildstabilisator und Autofokus. Trotzdem habe ich zum Teil manuell fokussiert. Sobald am manuellen Schärfering des Objektivs gedreht wird, schaltet der Sucher oder das Display auf 5x oder 10x Vergrösserung um. Zur Schärfenkontrolle ein sehr wertvolles Hilfmittel, um auf den Punkt scharf zu stellen. Mit dem 10mm Zwischenring vermindert sich die Naheinstellung massiv. Trotzdem waren Video- und Fotoaufnahmen auf Anhieb qualitativ hochwertig möglich. Im Lieferprogramm des Herstellers gibt es noch 2 weitere Ringe mit 16mm und 21mm. Die Ringe lassen sich einzlen oder in Kombination verwenden.

 

Fazit:
Ob Foto- oder Videobetrieb: Die Panasonic GH4 liefert für alle erdenklichen Situationen die passende Antwort. Eine solche komplette Ausstattung sucht man aktuell bei anderen Anbietern vergebens. In Verbindung mit dem Panasonic Lumix G X Vario 12-35mm F 2.8 Asph. erhält der User eine Kombination auf dem höchsten Niveau.

 

Folgende Produkte wurden in diesem Beitrag verwendet:

Panasonic Lumix DMC-GH4 Gehäuse

Panasonic Lumix G X Vario 12-35mm F 2,8 ASPH.

Panasonic Lumix DMC-GH4 + G X Vario 12-35mm

Panasonic DMW-YAGHE Videointerface

Atomos Shogun Recorder

Dörr Zwischenring 10mm

Dörr Zwischenringsatz 10mm, 16mm, 21mm für Panasonic