Praxistest: Panasonic Lumix DMC-GH3 + Panasonic LUMIX G VARIO 14-45mm F3.5-5.6 OIS + Voigtländer Nokton 17.5mm / 0.95

Praxistest: Panasonic Lumix DMC-GH3 + Panasonic LUMIX G VARIO 14-45mm F3.5-5.6 OIS + Voigtländer Nokton 17.5mm / 0.95

Sie sieht aus wie eine Spiegelreflex und dank des gut ausgeformten Handgriffs liegt Sie auch wie eine solche in der Hand. Gegenüber der GH2 ist das Gehäuse der GH3 größer, schwerer und solider geworden. An der Ergonomie des mit Magnesium verstärkten Gehäuse hat man Freude. Mit der GH3 wendet sich Panasonic eher an professionelle Anwender, die sich auch individuelle Einstellmöglichkeiten an einer Kamera wünschen. Weißabgleich, Isowerte und die +/- Belichtungskorrektur lassen sich z.b. nun an der Oberkappe direkt einstellen, ohne mühselig das Menü öffnen zu müssen. Insgesamt 5 FN-Tasten lassen sich mit individuellen Funktionen belegen. Noch besser kann man seine persönlichen Einstellungen bei kaum einem Vergleichsmodell programmieren. 2 Einstellräder für Blende und Verschlusszeit und ein Einstellring, der als Multifunktionswippe genutzt werden kann, sind mit an Bord. Zusätzlich lassen sich viele Funktionen über das Quickmenü am sensitiven Touchscreen einstellen. Das spritzwasser- und staubgeschütze Gehäuse verfügt über alle Anschlüsse, die eine gut ausgestattete Kamera benötigt, wie Mikrofon, Kopfhörer, Studioblitzbuchse und externe Fernbedienung.

Über die WIFI Funktion lässt sich die GH3 per Android / OIS-App fernsteuern und auslösen. Änderung vieler Kameraeinstellungen und Voransicht am Handy sind möglich. Eine Verbindung mit Sony Xperia T und der Panasonic Image App konnte ich ohne Probleme aufbauen und die GH3 so bequem fernsteuern. Im Videobetrieb sind Fernsteuerungsfunktionen aktuell mehr schlecht als recht zu nutzen. Bleibt zu hoffen, dass hier noch ein Update folgt. Eine Bildbearbeitung ist aktuell mit der Image App noch nicht möglich. Der Aufbau der Software lässt aber erahnen, dass ein Update für einfache Bildveränderungen folgen wird.

Der dreh- und schwenkbare OLED Monitor zeigt ein scharfes, kontrastreiches Bild. Dieser ist natürlich touchfähig und viele Menüs und Presets lassen sich über diesen direkt und schnell erreichen. Ebenfalls kann bei Bedarf der AF Messpunkt über das Touchscreen verschoben werden. Der OLED Sucher besitzt eine hohe Auflösung von 1,75 Megapixel und eine ausreichende Vergrößerung, so dass alle Anzeigen gut zu lesen sind. Das teilweise ruckelnde Bild des GH2 Suchers gehört bei der GH3 der Vergangenheit an. Auch bei schlechten Lichtverhältnissen ist kaum Farbrauschen zu sehen und Schwenks zieht das Sucherbild ohne merkbare Verzögerung sauber mit. Erst mit langen Belichtungszeiten taucht der Ruckeleffekt wieder etwas mehr auf. Anwender, die bevorzugt über den elektronischen Sucher fotografieren, sollten diesen in Bezug auf den Weißabgleich feinjustieren, da er ansonsten bei bestimmten Lichtquellen ein leicht verfälschtes Bild anzeigen kann. Sobald am manuellen Schärfering der Objektive gedreht wird, schaltet der Sucher oder das Display auf 5x oder 10x Vergrösserung um. Um die Schärfe zu kontrollieren ein sehr wertvolles Hilfmittel, um auf den Punkt scharf zu stellen.

In Sachen AF Geschwindigkeit und Serienbildfunktion ist die GH3 gegenüber Ihrem Vorgänger noch einmal schneller geworden. Der Kontrast-AF ist rasend schnell und die Serienbildfunktion ermöglicht nun 6 Bilder/sec mit Live View im AF-C Modus. Ermöglicht wird dies durch die hohe AF-Auslösegeschwindigkeit von bis zu 240 Bildern/sec. Auch hier ist die GH3 erwachsen geworden und erfüllt die Serienbildgeschwindigkeit für die meisten schnellen Motivsituationen. Im Einzel-AF Modus lässt sich das AF-Feld bis in die Bildecke verschieben. Ein Feature, das bei D-SLR Kameras bisher nicht möglich ist, da nur ein begrenzter Raum für die AF-Felder genutzt werden kann. Nur bei der erforderlichen Mindesthelligkeit benötigt die GH3 für korrekten AF eher ein AF-Hillfslicht als die vergleichbaren D-SLR Modelle. Die Bildqualität ist erwartungsgemäß noch einmal gesteigert worden. Höhere ISO-Werte waren bei MFT Kameras immer ein Problem. Die GH3 überraschte und lieferte ähnliche Ergebnisse wie eine Canon Eos 650D oder Nikon D5200 bis in den Bereich 1600 ISO. Für den hohen Dynamikumfang ist ebenfalls ein Lob angebracht.

Für den Videobetrieb ist die GH3 überaus gut ausgestattet. Full-HD Videos mit 60/P Modus sind maximal möglich. Durch das mehr an Einzelbildern im 60/P Modus gelingen Schwenks noch besser und schnelle Motivbewegungen werden besser dargestellt. An Formatspeicherungen sind AVCHD, MP4 und MOV möglich. Für das MOV Format wird aufgrund der sehr hohen Datenrate eine sehr schnelle Speicherkarte empfohlen. Das Video Lowlight Verhalten der GH3 ist bis 3200 ISO fast rauschfrei und Aufnahmen unter sehr schlechten Lichtverhältnissen sind kein Problem. Im Videobetrieb ist die GH3 gänzlich manuell einstellbar, aber auch viele Teilparameter wie Zeit- oder Blendenvorgaben sind möglich. Natürlich ist ein Dauer-AF mit an Bord, der sehr sicher arbeitet und das Hauptmotiv auch bei schnellen Schwenks nicht gleich verliert. Der Ton wird über ein internes Stereomikrofon aufgezeichnet. Der Anschluss eines externen Mikros ist möglich. Der Ton lässt sich sowohl automatisch, als auch manuell auspegeln.

Jeder erwartet wohl, dass mit der GH3 das lichtstarke 12-35mm 2.8 OIS verwendet wird. Ich habe mich zum Einstieg für das Panasonic 14-45mm 3.5-5.6 OIS entschieden. Wer nicht auf die hohe Lichtstärke 2.8 angewiesen ist und die Endbrennweite 70mm (auf KB-Brennweite bezogen) beim 12-35mm als zu knapp empfindet, ist mit dem 14-45mm OIS gut beraten. Mit dann 90mm (auf KB-Brennweite bezogen) lassen sich Personen besser freistellen oder einfach mehr Abstand zum Motiv einhalten. Das 14-45mm verfügt ebenfalls über ein Metallbayonett, eine soliden Tubus der sich gut zoomen läßt und eine über alle Brennweitenbereiche sehr gute Kontrast- und Schärfenleistung. Zudem neigt es kaum zu Verzeichnung oder Lens Flares. Mit 30cm Naheinstellung ist das über dem Durchschnitt und auch kleine Motive können eingefangen werden. Neben dem sehr guten Panasonic 12-35mm OIS würde ich das 14-45mm OIS als günstige Einstiegsvariante durchaus empfehlen.

Dazu habe ich für Lowlightaufnahmen ohne Blitz das geniale Voigtländer 17,5mm / 0,95 verwendet. Diese Optik ist ein wahrer Lichtriese und liefert bei Offenblende unglaubliche Lichtreserven, bei denen andere Kameraobjektivkombinationen schon keine Bilder mehr ermöglichen. Sicherlich ist die Bedienung über manuelle Schärfe und Blendenvorwahl nicht jedermanns Sache. Belohnt wird der Fotograf durch die unglaublich guten Ergebnisse und Bildeindrücke, die mit Offenblende sonst nur mit Vollformat DSL-R wie einer EOS 5D Mark III und Canon 1,4/35mm USM möglich sind.

 

Fazit:
Mit der GH3 kann Panasonic auch Anwender begeistern, die bei Canon, Nikon, Sony APS-C Modellen die schweren Objektive nicht tragen mögen. Die von mir genutzte GH3 Ausrüstung + Objektive Panasonic 14-45mm / 3.5-4.5 OIS, Panasonic 45-150mm / 4-5.6 OIS, Panasonic 35-100mm / 2.8 OIS und Voigtländer Nokton MFT 17,5mm / 0,95 wiegt deutlich weniger als eine vergleichbare DSLR Ausrüstung mit ähnlichen Objektiven. Im Foto Betrieb ist die Bildqualität super und alle nur erdenklichen Aufnahmeparameter einstellbar. Nimmt man den Bereich Video mit in den Fokus, liefert Panasonic ein erstklassiges Paket aus Foto- und Videokamera, das im APS-C Lager so "noch" nicht möglich ist.